Someone like... Adele

Caroline Sanderson

Someone like… Adele

Bosworth, Berlin 2012, 224 Seiten, 14,95 Euro

 

Rezension erschienen in üben & musizieren 2/2013

 

Die Berührungspunkte im Musikgeschmack von Erwachsenen (Lehrkräften) und Kindern und Jugendlichen (SchülerInnen) sind – jenseits des zu unterrichtenden Repertoires der klassischen Musik – meist nicht sehr zahlreich. Daran hat auch die Tatsache, dass die heute im Erwerbsleben stehenden Erwachsenen bereits selbst mit Rock- und Popmusik aufgewachsen sind, nichts geändert.

Ganz anders im Falle von Adele. Nicht nur, dass die Verkaufszahlen ihrer bislang zwei veröffentlichten Alben – mit den schlichten Titeln 19 und 21 – alle Rekorde sprengen, ihre Musik erreicht auch ein Publikum aller Altersgruppen. Dies erscheint umso beeindruckender, als sich Adele (mit vollem Namen Adele Laurie Blue Adkins) in ihrem Auftreten und ihrer Erscheinung von all dem unterscheidet, was gemeinhin als Erfolgsrezept für den Weg zum Star gilt: Adele steht selbstbewusst zu ihrer von Modelmaßen weit entfernten üppigen Figur, macht keinen Hehl daraus, dass sie sich außerhalb ihrer Heimatstadt London eher unwohl fühlt, lässt auch auf der Bühne gerne ihr leicht dreckig gackerndes Lachen hören, während sie aus einer Tasse mit Dackelmotiv trinkt, und leidet noch heute vor jedem Auftritt unter starkem Lampenfieber. Doch mit dem ersten Ton ihrer Stimme ist all das vergessen und Adele entführt ihr Publikum mit ihren zutiefst authentischen Songs von (meist verlorener) Liebe in eine andere Welt.

In ihrer Biografie bringt uns die Journalistin Caroline Sanderson das Leben der heute 24-jährigen Adele anschaulich nahe. Sanderson gewährt einen detaillierten Blick in die Mechanismen des Musikbusiness und erläutert nachvollziehbar, dass zu einer Weltkarriere nicht nur eine herausragende Stimme, sondern auch ein entschlossenes Team und eine Portion Glück gehören.

Entdeckt wurde Adele eher zufällig durch zwei hochgeladene Songs auf Myspace, den entscheidenden Kick für ihre Karriere in den USA erfuhr sie durch einen Auftritt in genau der Talkshow, in der kurz vor der US-Präsidentenwahl 2008 auch Sarah Palin, die umstrittene Kandidatin der Republikaner für den Posten der Vizepräsidentin, mit einer ihrer Kritikerinnen zusammentraf, sodass 15 Millionen Zuschauer die Sendung verfolgten. Doch Adele war nicht nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sondern verfolgte ihre Karriere auch mit unermüdlichem Fleiß und einer Vielzahl an Konzerten und TV-Auftritten, die letztlich zum körperlichen Zusammenbruch führten.

Dies und vieles mehr erzählt Sanderson mit einer Ausführlichkeit, die ob ihres Detailreichtums und der zahlreichen Redundanzen des Öfteren zur Ermüdung beim Lesen führt. Sehr interessant sind die Kommentare und Hintergründe zu jedem einzelnen Song der bislang zwei Alben sowie die eingeschobenen Intermezzi zu Fragen nach Prominenz oder dem (oft fragwürdigen) Umgang der Medien mit Adeles Körper. Die Biografie endet im Februar 2012, neueste Entwicklungen wie Adeles Mutterschaft konnten noch keine Berücksichtigung finden.