Rock my home

Christine Halter-Oppelt

Rock my home

Wie Musiker wohnen

DVA, München 2017, 192 Seiten, 39,95 Euro

 

Rezension erschienen in üben & musizieren 2/2018

 

Sogenannte „Homestories““ versprechen exklusive Einblicke in das Leben von Prominenten. Wir Leserinnen und Leser meinen, damit den von uns bewunderten Stars besonders nahe zu sein. Christine Halter-Oppelt, verantwortlich für das Wohnressort des Schweizer Magazins Style, porträtiert in ihrem Buch Rock my home zwölf Größen des Rock- und Popbusiness und gibt uns, so die Autorin, „Einblick in eine Welt, die sonst hinter verschlossenen Türen bleibt““.

Die Welt, die sich uns eröffnet, ist in erster Linie eine des Luxus. Für Stars wie Ozzy Osbourne, Céline Dion, John Legend oder Cher spielt es keine Rolle, ob ein Anwesen anderthalb, sechs oder zwanzig Millionen kostet. Die Welten, in denen sich die Porträtierten bewegen, sind denkbar weit von unserer eigenen entfernt. Und doch bestünde ja zumindest die Hoffnung, dass der Blick durchs Schlüsselloch ins Privateste der Stars uns ein wenig Aufschluss geben könnte über deren Leben und Denken.

Doch der Eindruck, der sich beim Blättern und Lesen immer mehr verfestigt, ist ein ganz anderer: Je näher wir den Stars durch den „„Besuch zu Hause“ zu kommen meinen, desto mehr entfernen sie sich von uns. Denn wie „„persönlich““ ist ein Zuhause, wenn sich nicht weniger als drei der Porträtierten – Cher, Kid Rock und Ozzy Osbourne – den selben Inneneinrichter teilen, den sie alle über Elton John kennen gelernt haben? Mehr und mehr verdeutlicht dieser luxuriös ausgestattete Bildband, dass es wie früher bei alten Adelsgeschlechtern auch beim gegenwärtigen Geldadel vorwiegend um Repräsentation geht und weniger um Ausdruck der eigenen Persönlichkeit.

Der Preis, den die Stars zu zahlen haben, ist womöglich der Verlust von Heimat und Identität. Lily Allen (erster Beitrag) zieht nach wenigen Jahren aus ihrem traumhaften Landhaus im Herzen Englands – „„Ich selbst habe mich als Kind immer nach einem Zuhause gesehnt. Wir sind ständig umgezogen“ – zurück nach London: „„Ich ändere mein Leben mindestens einmal im Jahr.““ Der Techno-Musiker Moby (zweiter Beitrag) verkauft sein mit viel Liebe und Geld hergerichtetes Schlösschen recht bald mit Gewinn an einen anonymen Bieter. Ozzy Osbourne (dritter Beitrag) verlässt seine Luxusvilla nach kurzer Zeit und zieht sich an einen anonymen Ort zurück. Und so fort.

Die Einrichtungen dieses luxuriösen Jetsets wirken oft wie Fassaden, hinter denen sich die Bewohner vor unseren Blicken verschanzen. So kann einen bei aller Neugier und Faszination am Ende ein Hauch von Traurigkeit überkommen angesichts dessen, dass die von uns beneideten Promis selbst hinter hohen Hecken nicht unbedingt ein Leben in Geborgenheit führen. Als kleinen Trost können wir uns einen Abglanz unseres Lieblingsstars in die eigenen bescheidenen vier Wände holen: Am Ende jedes Porträts gibt uns die Autorin eine „ „Get-the-look““-Doppelseite: „eine Auswahl an Möbeln, Wohnaccessoires, Stoffen oder Tapeten, die es leicht machen, ihm nachzueifern“. So bleibt für alle Fans von Lily Allen wenigstens der Kissenbezug „„Åkervallmo““ – „gesehen bei Ikea““.