Der Konzertagent

Jörg Hannemann

Der Konzertagent

Roman

bup Berlin University Press, Berlin 2013, 150 Seiten, 19,90 Euro

 

Rezension erschienen in das Orchester 1/2015

 

Jörg Hannemann schickt seine Romanfigur Heinrich Glöde, deren Charakter er bereits in seinem vorhergehenden Roman (Die Wärme des Körpers der Frau Pietsch) entwickelte, als selbsternannten Konzertagenten in –– so die Aussage des Klappentextes –– „die exotische Welt des Musikbetriebs““. Und was gibt es nicht alles zu bestaunen in diesem Panoptikum der Absonderlichkeiten:

– ein Blechbläserquintett aus Saarbrücken, dessen Mitglieder alle amerikanischer Abstammung sind und die sich nach dem Konzert über Glödes Bier- und Weinvorräte hermachen. Höhepunkt der privaten After-Concert-Show ist die Entzündung eines Furzes aus dem Hintern des Tubisten.

– ein rheinisches Sinfonieorchester, das dem Konzertagenten Glöde mit dem Abbruch der Tournee droht, sollten nicht zum nächsten Frühstück marinierter Lachs, geräucherte Forellenfilets mit Meerrettich, frisch gepresster Orangensaft und Kaviar auf dem Tisch stehen.

– ein Orchester aus Samara, dessen Musikerinnen und Musiker die Hotelbüffets bis zum letzten Krümel und Tropfen abräumen und in ihren mitgebrachten Behältnissen –– zu Thermoskannen umfunktionierten Granaten der örtlichen Munitionsfabrik –– davontragen.

– viele weitere Musiker, Solisten, Dirigenten, Orchesterdirektoren und -manager, die an ihrem Dasein leiden und nur eines ganz gewiss nicht haben: Freude an der Musik.

Die Anzahl negativer Klischees über Musiker im Allgemeinen und Orchestermusiker im Besonderen, die Jörg Hannemann hier aneinanderreiht, passen kaum zwischen zwei Buchdeckel und sind in ihrer Anhäufung weder witzig (wie wahrscheinlich intendiert) noch spannend, sondern schlicht öde. Man kann jedoch davon ausgehen, dass auch dieses Buch seine begeisterten Leser finden wird, die sich schenkelklopfend daran erfreuen werden, schon immer gewusst zu haben, was für ein seltsames, ja wahrlich „„exotisches“ Völkchen doch diese Musiker sind.

Sprachlich erinnert alles sehr an Thomas Bernhard, dessen Bücher bzw. deren Wirkung auf die Leser auch in einer kurzen Episode zum Thema wird. Formal vermag Hannemann keine rechte Spannung aufzubauen. Die Handlung mäandert vor sich hin, das Ende ist eher beliebig gesetzt.

Zurück bleibt ein unbefriedigendes Gefühl, weil der Autor, der sprachlich durchaus Wirkungen zu erzielen vermag und immer wieder ein gutes Gespür für hintergründigen Humor offenbart, sein Ziel allzu schnell in der oberflächlichen Pointe sucht, statt seine an sich gute Idee tiefgründiger, feinfühliger und differenzierter zu entwickeln.